Newsletter januar 2017

Liebe Freunde,

Manchmal werde ich gefragt, wie genau meine Tage aussehen. Heute ist alles anders gelaufen als geplant. Zuerst war alles normal. Ich hatte ein nettes  Gespräch über Skype mit meinem Bruder und meiner Schwägerin. Dann kam jemand, der medizinische Versorgungsgüter von uns für eine arme Erste-Hilfe-Station mitnahm. Anschließend fuhr ich zum Busbahnhof, um Wasserfilter, die ich in einer anderen Stadt bestellt hatte, abzuholen.

Aber dann überkam mich das Bedürfnis, Lisa, eine ehemalige Teilnehmerin aus Talita Cumi, im Krankenhaus zu besuchen. Also fuhr ich nach Hause, um einige Mitbringsel einzupacken: ein Nachthemd, Seife, Toilettempapier und weitere Dinge, die sie vielleicht gebrauchen könnte. Dann fuhr ich nach Talita, um zwei Mitabeiterinnen mitzunehmen. Nach einer einstündigen Fahrt waren wir schließlich im Krankenhaus. Es war wirklich sehr traurig, Lisa dort wiederzusehen. Sie hat AIDS, vermutlich Tuberkulose und kann aufgrund von Rückenschäden nicht mehr laufen. Während wir da waren, redete sie nicht viel und schien verhärtet. Wir durften auch nicht mit ihr beten. Aber sicher können und werden wir für sie beten. Unser Aufenthalt dauerte fast fünf Stunden, aber trotzdem hatte es sich gelohnt. In Europa scheint es häufig so, dass sich alles nicht weit entfernt ist, aber hier dauert alles sehr lange. Obwohl es meistens nicht viele Kilometer sind, kommt es hier aufgrund von Verkehr und anderen Umständen meistens zu großen Verzögerungen.



 

 

 




Es war eine Ehre, Judy, einer älteren amerikanischen Missionarin, die ein Krankenhaus baute, einen Weihnachtsbesuch abzustatten. Die Mädchen aus Talita machten eine Vorführung für 90 Kinder, die total begeistert waren. Außerdem war es eine Ermutigung für Judy, die normalerweise nicht viele Besucher bekommt, aber auf dem Land eine Menge Leute erreicht. Sie erzählte mir, dass gerade dieses Wochenende 35 Kinder an einem Camp der Kirche teilgenommen hatten. Am Ende des Programmes bekamen alle eine Ausgabe der „City Bible Bolivia“, worüber sie sich sehr freuten.

Wie läuft es bei uns?
Zurzeit ist es bei uns recht kompliziert. Drei unserer Jungen in Adulam haben psychische Probleme und das Team weiß nicht wirklich, wie es mit der Situation fertig werden soll - mit allen möglichen Konsequenzen. Sogar die Messer wurden weggesperrt, weil einer von ihnen manchmal gewalttätig wird.

Diese Woche fragten auch noch zwei Mitarbeiter nach ihrem „quinquenio“ – fünf Monatsgehälter für fünf Jahre, die sie bei uns gearbeitet haben. Dieses können die Miarbeiter alle fünf Jahre einfordern. Anfang des Monats mussten wir den gleichen Betrag an jemanden bezahlen, der uns verlassen hat. Insgesamt ein schwerer Schlag für unsere finanzielle Situation.

Die Mitarbeiter
Die gesamte Arbeit in den Häusern von Mission Adulam hängt von den Mitarbeitern ab. Heute werden Felina (stellv. Direktorin) und ich mit den Auswertungen beginnen und dazu auf das letzte Jahr zurückblicken, von den guten und schlechten Dingen lernen und mit frischem Mut das neue Jahr planen. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass wir immer noch Probleme haben, neue Leute zu finden. Zeitungsanzeigen haben ziemlich wenig gebracht. Trotzdem müssen wir mindestens drei neue Mitarbeiter einstellen, um in verantworlicher Weise weiterarbeiten zu können.

In den letzten fünf Monaten war das Haus Jesed geschlossen, aber schon bald wollen wir Jungen im Alter von acht bis zwölf jahren aufnehmen. Mittlerweile ist das Haus fertig, jetzt fehlen nur noch die Mitarbeiter.

Gebrochenheit

Letzten Samstag sind drei Mädchen weggelaufen; das zweite mal innerhalb einer Woche. Die Familien hatten mit ihren Gefühlen gespielt und sie so in einen Loyalitätskonflikt gebracht. Also hauten sie in der Hoffnung ab, ihre Familienbeziehungen wiederherzustellen. Natürlich klappte es nicht wie gewollt, und bereits am Sonntag klingelte die Familie mit ihrer Tochter an der Tür und wollte, dass sie wieder ins Programm aufgenommen wird. Das war mittlerweile nicht mehr möglich, da Isabel das anscheinend nicht will und  auch denkt, dass Wegrennen gar nicht mal so schlimm ist.

Gleich kommt Mari vorbei, die bei uns für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Am Dienstag wird ihr jüngster Sohn wegen eines Gehirntumors operiert. Das ist bereits der zweite Fall in der Familie. Vor vierzehn Jahren stand ich am Bett von Paula, ihrer ältesten Tochter, die dieselbe Operation durchlaufen hatte. Etwa ein Jahr später starb Paula nach einem schweren Kampf gegen den Krebs. Sie können sich vorstellen, was diese Familie jetzt erneut durchstehen muss.

Wenn Sie für uns beten, beten Sie auch dafür, dass der HERR unseren Mitarbeitern in ihrer Gebrochenheit aufhilft und sie durch die Freundlichkeit des HERRN erfüllt werden.

Gebetsanliegen
Wir sind sehr dankbar dafür, dass die meisten unserer Jugendlichen ein Zeugnis mit Versetzung in die nächste Klassenstufe bekommen haben und dass acht von ihnen ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben.
Ich bin auch allen sehr dankbar, die uns 2016 geholfen haben, in dem sie unsere Arbeit durch Gebete und Spenden vereinfachen. Es ist jeden Monat ein Wunder, was Gott uns durch seine Kinder gibt.
Bitte beten Sie auch für das Team, dass wir neue Mitarbeiter mit Mitgefühl finden.
Beten Sie für die Jugendlichen in unseren Häusern, dass sie wirklich an ihrer eigenen Rehabilitation arbeiten, egal ob ihre Familien ihnen dabei zur Seite stehen oder nicht.
Und bitte beten Sie auch für unsere Sicherheit: Unsere Gegend ist leider nicht die sicherste und es hat in letzter Zeit einige Vorfälle gegeben.

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Mal! 

Fineke